Northeim, 10. Februar 2021
Sowohl CDU Stadtverband als auch CDU-Ratsfraktion sprechen sich mit großer Mehrheit gegen eine kurzfristige Umbenennung der Hindenburgstraße in Northeim aus.

Die Fraktionen der Bündnis90/Die Grünen und die SPD haben gemeinsam den Antrag gestellt. Obgleich wir den Antrag nachvollziehen können und die Rolle Hindenburgs bei der Machtübernahme Hitlers als mitentscheidend ansehen, kommen wir bei der Bewertung des Umgangs mit dem Namen Hindenburg zu einem anderen Ergebnis. Eine große Rolle spielt dabei der Umgang mit der Geschichte, die sogenannte Erinnerungskultur. Aber auch die Klärung einer möglichen Kostenübernahme für die dort lebenden Menschen, insbesondere natürlich für die ansässigen Arztpraxen, muss vor einem Beschluss geklärt werden.

Bleiben wir im geschichtshistorischen Kontext und betrachten die Funktionen der Erinnerungskultur, so muss man differenzieren zwischen der Intention zum Zeitpunkt
der Entstehung und der Aufgaben innerhalb der Erinnerungskultur einer Gesellschaft fast 90 Jahre nach der Benennung. So erfolgte die Namensgebung 1933 als propagandawirksame Ehrung durch die Nationalsozialisten. Wenn wir heute diese Straße nicht umbenennen, dann legitimieren wir damit keinesfalls die Handlungen von 1933, noch heißen wir sie gut. Denn der Straßenname erfüllt 2020 eine andere Aufgabe, denn ob es uns gefällt oder nicht, Paul von Hindenburg ist Teil der deutschen Geschichte. Und so erinnert diese Namensgebung an eine kontrovers zu diskutierende Person und deren Handlungen und mahnt uns, die Fehler, die diese Person beging, kein zweites Mal zu machen und den Faschismus nie wieder gewähren zu lassen. Löschen wir nun diesen Namen aus dem Stadtbild, so löschen wir Teile unserer Erinnerungskultur aus, die uns anhält, uns mit dem Thema im Alltag auseinander zu setzen.

Die CDU schließt sich letztlich der Bewertung des Münsteraner Geschichtsprofessors Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer an, der am Ende seiner Abhandlungen zu Hindenburg sagte: „Eine Entsorgung der Vergangenheit durch die bloße Abnahme der entsprechenden Straßenschilder ist mit Sicherheit der falsche Weg; die historisch‐politische Aufklärung über die Rolle Hindenburgs, auch in Kurzform, unter einem bestehenden oder zu verändernden Straßenschild ist allemal vorzuziehen.“

Die CDU wird daher folgende alternative Möglichkeiten beantragen:

  1. Alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Northeim entscheiden in einer
    Bürgerbefragung mit der Kommunalwahl im September, ob die Straße
    umbenannt werden soll
    oder
  2. Die Straßenschilder werden durch Erläuterungen im Sinne der
    Erinnerungskultur ergänzt. Der genaue Text bleibt abzustimmen(bei zeitnaher
    Entscheidung des Rates ohne Bürgerbefragung).

Reta Fromme – Fraktionsvorsitzende

Malte Schober – Vorsitzender CDU-Stadtverband Northeim

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